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Die richtige Ernährung bei Diabetes | Visite | NDR

September 25, 2019


Ich würde gerne versuchen, abzunehmen und
meinen Insulinbedarf zu reduzieren. Vielleicht sogar, vom kurzwirksamen
Insulin wegzukommen. Ich heiße Bernd Pache,
bin 53 Jahre und Diabetiker Typ 2. Seit vier Jahren
muss er Insulin spritzen. Er bekommt seinen Diabetes
nicht in den Griff. Bernd Pache müsste wissen,
wie es geht. Er leitet in Eydelstedt bei Vechta
eine Schule für Pflegekräfte. Hier bespricht er auch Fälle
aus den Ernährungs-Docs. * Drei spannende neue Fälle
für die Ernährungs-Docs. * Er kennt die Gefahren,
die bei Diabetes lauern: Herzinfarkt, Schlaganfall, Schäden
der Netzhaut, Nerven und Nieren. Bei mir war es so,
dass ich hilflos war. Man weiß das alles,
dann sah ich die Ernährungs-Docs, fand den Ansatz klasse und dachte: Den Weg könntest du betreten. Sein Antrieb ist auch
seine vierjährige Tochter Sarah. Ich hab ‘ne Verantwortung für
meine Familie und meine Tochter. Ich möchte noch erleben,
dass sie volljährig wird oder noch mehr darüber. Ich möchte meine 90 Jahre erreichen. Ein schwieriger Fall für
den Diabetologen Matthias Riedl. Seit der Diagnose vor acht Jahren
muss Bernd Pache Insulin spritzen. Wenn wir essen, werden Kohlenhydrate
aus Brot, Nudeln oder Obst umgewandelt in Glukose,
also Blutzucker. Damit der in die Zellen
eingeschleust werden kann, produziert
die Bauchspeicheldrüse Insulin. Die Folge:
Der Zuckerspiegel im Blut sinkt. Bei Typ-2-Diabetikern
ist die Insulinproduktion gestört. In schweren Fällen
muss es gespritzt werden, damit der Zucker im Blut
abgebaut wird. So lebensrettend Insulin auch ist,
die meisten Menschen macht es dick. Dieses Übergewicht
führt zu Mehrbedarf an Insulin und das macht wieder dicker. Das ist ein Teufelskreis,
dem wollen Sie entkommen. Dem möcht ich entkommen. Ziel ist ein Langzeitblutzuckerwert
unter 7, ohne Insulin zu spritzen. Stellen wir uns den Tatsachen,
jetzt messen wir den Bauchumfang. Der ist noch wichtiger
als das Gewicht. Wir haben hier 123 cm Bauchumfang. Ab 102 sind Sie voll im Risiko. In diesem Bereich produziert
der Bauch Hormone, die die Arterien verkalken lassen. Hormone, die die Wirkung
des Insulins abschwächen, deshalb brauchen wir viel Insulin. Die Krebsentstehung wird durch
einen erhöhten Bauchumfang gefördert und da müssen wir ran. Bernd Pache nimmt sich wenig Zeit
zum Essen, isst unregelmäßig. Ich frühstücke häufig nicht
und esse selten Mittag. Wenn, dann fahr ich ins Dörfchen
und hol mir da ‘ne Kleinigkeit, was vom Bäcker oder Döner
und esse das dann. Guten Appetit, Frau Schmidt. Abends isst er mit seiner
Tochter Sarah und seiner Frau Elke. Er kam abends nach Hause und aß
das erste, was in der Nähe war. Dann habe ich auch richtig Hunger
und esse große Mengen. Das hat dann eben auch
seine Auswirkungen. Wir starten mit einer
dreitägigen Haferkur, dreimal am Tag Hafer. Damit wird der Körper empfindlicher
für das vorhandene Insulin und wir können die Insulindosis
auf die Hälfte reduzieren. Hafer wirkt wie ein Medikament. Er enthält reichlich Beta-Glucan: Ein Ballaststoff, der hilft,
den Blutzuckerspiegel zu senken. Da ich morgens eh mit Müsli beginne,
ist die Umstellung nicht so groß. Das steh ich durch. Matthias Riedl zeigt ihm,
wie es geht: In einem Topf Haferflocken mit Wasser
oder fettfreier Brühe aufkochen. Fünf Minuten quellen lassen. Nach Geschmack Gemüse
oder zuckerarme Früchte dazu. Die Rezepte finden Sie bei
den Ernährungs-Docs im Internet. Jetzt kommt Schritt 2. Vier Wochen lang mit einer
ärztlich begleiteten Formula-Diät, für jeweils zwei Mahlzeiten. Das reduziert Ihre Insulinresistenz
und senkt das Gewicht und das
stabilisiert unseren Langzeiterfolg. Das wär sehr erfreulich. Die dritte Mahlzeit sollte
viel Gemüse und Eiweiß enthalten, aber wenig Kartoffeln oder Nudeln. Je weniger Kohlenhydrate,
desto weniger Insulin. Je weniger Insulin,
desto weniger das Gewicht. Die Insulinresistenz
wird damit insgesamt gebessert. Sicherlich umsetzbar. Klasse. Langfristig muss Bernd Pache
seine Ernährung verändern. Dabei hilft eine genaue Analyse. Dabei ist mir aufgefallen,
dass Sie ungern frühstücken. Das kompensieren Sie damit, dass Sie über den Tag
viel Milchkaffee trinken. Das nennt man Snacking. Das macht leider dick
und hält den Blutzucker hoch, das müssen wir ändern. Das wird genau kontrolliert. Das hilft, den inneren Schweinehund
zu überwinden. Man will sich nicht blamieren. Von daher ist das ‘n guter Weg. Bernd Pache
kämpft gegen seinen Diabetes an. Er ist auf einem guten Weg. Nach drei Tagen Haferkur:
der erste Erfolg. Er muss weniger Insulin spritzen. Allein durch den Hafer
morgens, mittags, abends. Hört sich schlimmer an, als es ist. Es war klar, dass es für
‘n beschränkten Zeitraum war. Und es wirkt: Vier Wochen später
kann er das Insulin weglassen. Luft nach oben ist noch beim Sport. Das ist die nächste Baustelle,
die ich angehen will. Ich hab schon viel erreicht,
hab mir das Rauchen abgewöhnt. Hab das Gewicht reduziert,
den Sport bekomme ich auch noch hin. Jeden Samstag geht er
mit seiner Tochter zum Ponyreiten. Das ist für mich
meditatives Wandern. Ich wander ‘ne halbe Stunde
mit dem Pony über den Platz und hab dann meine sportliche
Aktivität für heute erreicht. Inzwischen geht
das Abnehmen langsamer voran. Er trinkt nun wieder
Eiweiß-Shakes zum Frühstück und zum Mittag in der Schule. Ich komm gut damit klar. Es gibt ja Geschmacksrichtungen,
damit bin ich zufrieden. Schmeckt wie Pudding,
von daher unproblematisch. Seit vier Monaten
essen sie bewusster, mehr Obst und Gemüse
landen auf dem Teller. Die Veränderungen zeigen
erstaunliche Erfolge: Mir geht’s absolut gut. Ich hab ordentlich abgenommen,
habe 21 kg weniger. Bin seit drei Monaten ohne Insulin. Das bringt auch Lebensfreiheit. Nach fünf Monaten kommt Bernd Pache (53)
zu den Ernährungs-Docs. Er wollte weg vom Insulin,
das hat er bereits geschafft. Mithilfe einer auf ihn
zugeschnittenen Ernährungsstrategie. Er konnte über 20 kg abnehmen
und das sehr schnell. Es hält sich,
und der Weg ist weiter nach unten. Ich bin überrascht, wie gut
und unkompliziert es funktioniert. Ich bin meiner Familie dankbar,
die mich mitgezogen hat. Wir messen mal den Bauchumfang,
da steckt das Grundübel. 110 ist jetzt der Bauchumfang,
es waren mal 123. Das macht bei 13 cm Unterschied eine Reduktion um 70 % des Risikos
für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wahnsinn. Dazu kommt, dass die
Insulinempfindlichkeit besser wurde, um die gleiche Menge ungefähr. Das Insulin, das Sie produzieren, wird von den Zellen
empfindlicher wahrgenommen. Deshalb brauchen Sie
kein fremdes Insulin mehr. Der ganze Aufwand hat sich gelohnt. Wie sieht’s im Kleiderschrank aus?
Erheblich leerer. Vieles, was früher passte,
kann ich nicht mehr anziehen, weil sie mir vom Hintern fallen. Wie hat sich sein
Langzeitblutzuckerwert entwickelt? Ziel war ein Wert unter 7. Es war vorher
eine schlechte Einstellung. Mit einem Langzeitblutzuckerwert
von 8 %. Der ist unter dieser guten Therapie
auf 6,8, total im Zielbereich. Dass es so schnell geht,
hätte ich nie gedacht. Es wird noch besser. Sie haben das Insulin
schon weggelassen. Jetzt können wir
die Tabletten halbieren. Dann haben wir das Ziel übertroffen,
es ging mir um das Insulin. Wenn ich an die Medikation kann,
ist das ‘n Schritt, der weitreichender ist,
als ich gehofft hab. Ihnen traue ich zu, dass Sie bald
ohne Medikamente rumlaufen. Das wäre faszinierend,
das anzugehen. Das Projekt
hat sich für mich gelohnt. Aus einer E-Mail wurde
ein Gewinn an Lebensqualität. Einmal Insulin – immer Insulin,
das gilt nicht mehr. Das sehen wir an diesem Fall. Besser ist,
eine Ernährungstherapie mit modernen gewichtsparenden
Substanzen zu kombinieren. Dann wäre Bernd Pache
Insulin erspart geblieben. Copyright Untertitel: NDR 2019

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